In Star Trek sagen die Borg „Widerstand ist zwecklos“, kurz bevor sie andere ihrer eigenen Ordnung einverleiben. Das sollte damals in Science-Fiction dystopisch klingen. Heute begegnet uns dieselbe Logik in freundlicherer Sprache in der Realität: Der Wandel sei unvermeidlich. Unternehmen müssten jetzt handeln. Beschäftigte müssten sich anpassen. Wer zögert, verliere den Anschluss.

Der Unterschied ist hauptsächlich das Vokabular. Niemand muss sagen, dass Widerstand zwecklos ist, wenn alle überzeugt sind, dass die Zukunft ohnehin schon feststeht. Dann erscheint die Einführung von KI nicht mehr als wirtschaftliche oder politische Entscheidung, sondern als etwas, das einfach passiert. Anbieter verkaufen. Unternehmen investieren. Führungsetagen entscheiden. Und diejenigen, die mit den Folgen leben und arbeiten müssen, bekommen anschließend erklärt, wie wichtig Offenheit, Weiterbildung und Anpassungsfähigkeit sind.

Gleichzeitig heißt es gern, KI sei „nur ein Werkzeug“. Das passt schlecht zusammen. Ein Werkzeug ist eine Möglichkeit. Etwas Unvermeidbares ist keine. Wenn eine Technologie angeblich optional und alternativlos zugleich ist, lohnt es sich genauer hinzusehen, wer von dieser Vorstellung profitiert.

Luise Freese spricht darüber, wie aus konkreten Interessen eine Erzählung über Fortschritt wird und warum Sprache wie „future-proof“, „adapt or fall behind“ oder „the AI revolution is here“ mehr tut, als technologische Entwicklung zu beschreiben. Diese Sprache verschiebt die Debatte. Plötzlich müssen nicht mehr diejenigen erklären, warum bestimmte Systeme überall eingeführt werden sollen. Erklären sollen sich diejenigen, die daran zweifeln.

“Widerstand ist zwecklos?!” stellt deshalb eine unangenehm einfache Frage: Seit wann behandeln wir Entscheidungen, die Menschen treffen und von denen manche sehr viel mehr profitieren als andere, als wären sie Naturgesetze?

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