Die Versprechen sind vertraut: KI übernimmt Routine, beschleunigt Prozesse, reduziert Aufwand und macht Beschäftigte produktiver. Was dabei erstaunlich selten gefragt wird, ist, was mit der eingesparten Zeit eigentlich passiert.

In den meisten Unternehmen gehört sie nicht den Menschen, die sie eingespart haben. Wenn eine Aufgabe statt zwei Stunden nur noch dreißig Minuten dauert, entsteht daraus normalerweise kein früher Feierabend. Die gewonnene Zeit wird neu verplant, mit weiteren Aufgaben gefüllt oder zur Grundlage neuer Zielvorgaben. Was gestern als Effizienzgewinn gefeiert wurde, ist morgen das neue Normal.

Genau darin liegt die Produktivitätsfalle. Technischer Fortschritt kann Arbeit tatsächlich erleichtern. Unter Bedingungen, in denen Produktivität vor allem als Möglichkeit verstanden wird, mit denselben Ressourcen mehr zu produzieren, wird aus Entlastung allerdings schnell Arbeitsverdichtung. Die Technologie spart Zeit, aber die Beschäftigten bekommen sie nicht zurück.

Luise Freese spricht deshalb nicht nur darüber, ob KI produktiver macht. Sie fragt, wer über die entstehende Produktivität verfügt. Wer entscheidet, ob daraus höhere Gewinne, mehr Output, weniger Personal, kürzere Arbeitszeiten oder bessere Arbeitsbedingungen werden? Und warum behandeln wir Effizienz so selbstverständlich als Unternehmensgewinn, obwohl sie auf der Arbeit und dem Wissen der Beschäftigten beruht?

Die entscheidende Frage ist nicht, wie viele Minuten ein KI-System einsparen kann, sondern wem diese Minuten gehören.

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