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Von individueller Empörung zu organisiertem Widerstand
Big AI hält unsere Empörung problemlos aus. Viele Menschen wissen längst, dass etwas nicht stimmt. Sie sehen die Machtkonzentration, die Ausbeutung, den Ressourcenverbrauch und den Druck, sich an immer neue Technologien anzupassen. Das Problem ist nicht mangelnde Kritik. Das Problem ist das Gefühl, dass aus dieser Kritik ohnehin nichts folgt.
„Was kann ich schon tun?“ ist deshalb weniger eine Bitte um die nächste Liste individueller Handlungstipps als eine Beschreibung politischer Ohnmacht. Der einzelne Mensch steht Unternehmen mit Milliardenkapital, staatlichen Entscheidungen und technologischer Infrastruktur gegenüber und soll sich dabei ausgerechnet als souveräner Konsument erleben. Dass viele irgendwann resignieren, ist nicht besonders überraschend.
Dazu kommt die Vereinzelung. Gemeinschaft entsteht nicht automatisch dadurch, dass sehr viele Menschen dasselbe Problem haben. Viele wissen nicht, wo sie andere finden, mit wem sie handeln könnten oder wie aus gemeinsamem Unbehagen überhaupt etwas Dauerhaftes entstehen soll. Man kann sich gleichzeitig mit Millionen Menschen über denselben Zustand ärgern und sich dabei vollkommen allein fühlen.
Big AI kann mit all dem sehr gut leben. Empörung kann laut sein, intelligent, wütend und vollkommen folgenlos. Wir können posten, streiten, kommentieren und den nächsten Skandal diskutieren. Solange die Empörung dort endet, verändert sie weder Eigentumsverhältnisse noch Arbeitsbedingungen noch politische Entscheidungen. Sie hält uns beschäftigt, ohne uns mächtiger zu machen.
Luise Freese interessiert deshalb der Punkt, an dem aus Ohnmacht wieder Handlungsmöglichkeit wird. Nicht die nächste Anleitung für korrektes individuelles Verhalten, sondern die schwierigere Frage, wie Menschen einander finden, gemeinsame Interessen erkennen und wieder erfahren können, dass gesellschaftliche Verhältnisse veränderbar sind.
Das Problem ist nicht, dass niemand widerspricht, sondern dass viele längst nicht mehr glauben, dass ihr Widerspruch etwas verändern kann. Wer davon ausgeht, dass ohnehin nichts zu machen ist, muss auch nicht mehr zum Schweigen gebracht werden.
“Von individueller Empörung zu organisiertem Widerstand” handelt davon, wie wir aus diesem Zustand herauskommen.