BIT 004
Wir haben Maschinen erfunden, um Arbeit zu sparen
16. August 2026

Eigentlich ist es ziemlich absurd, Angst vor einer Maschine zu haben, weil sie uns Arbeit abnehmen kann. Wenn eine Maschine etwas in zehn Minuten erledigt, wofür ein Mensch vorher zehn Stunden gebraucht hat, müsste das eine fantastische Nachricht sein: Wir haben neun Stunden und fünfzig Minuten menschliche Lebenszeit gewonnen.
Nur erleben wir Automatisierung merkwürdigerweise selten so. Statt sich über die eingesparte Arbeit zu freuen, fragt sich die Person, deren Arbeit gerade eingespart wurde, ob sie morgen noch ein Einkommen hat. Wir haben Maschinen erfunden, um Arbeit zu sparen, und dann eine Wirtschaftsordnung gebaut, in der eingesparte Arbeit diejenigen bedroht, deren Arbeit eingespart wurde.
Bei KI wird dieser Widerspruch besonders sichtbar, weil Automatisierung plötzlich Tätigkeiten erreicht, von denen viele lange glaubten, sie seien davor geschützt: Programmierung, Übersetzung, Design, Buchhaltung, Recherche, Schreiben, Analyse, Verwaltung. Und die dominante Antwort darauf lautet: Mach dich unersetzbar, lerne KI, bilde dich weiter, sei produktiver, passe dich schneller an.
Dabei wäre die viel interessantere Frage: Wenn wir tatsächlich weniger menschliche Arbeitszeit benötigen, um die Dinge und Dienstleistungen herzustellen, die wir brauchen, warum feiern wir das eigentlich nicht? Warum kommt ein Produktivitätssprung als Bedrohung bei uns an und nicht als Dividende?
Es gibt kein Naturgesetz, nach dem 30 Prozent mehr Produktivität zu 30 Prozent mehr Output, 30 Prozent weniger Beschäftigten oder höheren Renditen führen müssen. Wir könnten daraus genauso gut kürzere Arbeitswochen machen, mehr Urlaub, früheren Ruhestand, mehr Personal dort, wo Menschen heute völlig überlastet sind, oder mehr Zeit für Care-Arbeit, Familie, Freundschaften, Politik, Kunst, Gemeinschaft, Langeweile, oder auch einfach dafür, mal absolut nichts Produktives zu tun. Wir könnten entscheiden, dass höhere Produktivität bedeutet, dass wir weniger unserer Lebenszeit verkaufen müssen, dafür müssten wir Produktivitätsgewinne allerdings als etwas begreifen, auf das nicht nur diejenigen Anspruch haben, denen die Unternehmen und Maschinen gehören.
Das eigentliche Versprechen der Automatisierung war nie, dass Menschen irgendwann unendlich viel produzieren können. Es war, dass Menschen irgendwann weniger arbeiten müssen. Vielleicht sollten wir aufhören, dieses Versprechen jedes Mal stillschweigend zu vergessen, sobald die Technologie tatsächlich gut genug wird, es einzulösen.