Es gibt eine interessante Asymmetrie darin, wie Beschäftigte und Unternehmen gerade lernen sollen, KI einzusetzen. Beschäftigte sollen möglichst viel ihrer Arbeit automatisieren: schneller schreiben, schneller programmieren, schneller recherchieren, schneller analysieren, Routineaufgaben loswerden, effizienter werden, mehr schaffen, den eigenen Wert steigern.

Unternehmen sollen ebenfalls möglichst viel Arbeit automatisieren: Kosten senken, Margen erhöhen, skalieren, ohne zusätzliches Personal einzustellen, mit weniger Menschen mehr produzieren. Das klingt zunächst wie dieselbe Produktivitätsgeschichte. Ist es aber nicht.

Wenn ich mit KI eine Aufgabe, die bisher vier Stunden gedauert hat, in einer Stunde erledige, bekomme ich normalerweise nicht drei Stunden meines Lebens zurück. Ich habe meinem Arbeitgeber drei Stunden zusätzliche Kapazität geschaffen. Wenn mein Arbeitgeber dagegen feststellt, dass KI den Arbeitsaufwand einer ganzen Abteilung um ein Drittel reduziert, werden diese eingesparten Stunden plötzlich sehr konkret: Einstellungsstopp, Restrukturierung, kleinere Teams, weniger Freelancer, Stellenabbau. Ich automatisiere meine Arbeit und der Nutzen fließt nach oben. Mein Arbeitgeber automatisiert meine Arbeit und das Risiko fließt nach unten. Und erstaunlicherweise werden beide Entwicklungen uns gegenüber als Argument präsentiert, noch produktiver zu werden. Damit entsteht eine ziemlich eigenartige Verhandlungsposition. Beschäftigte sollen möglichst enthusiastisch dabei helfen zu beweisen, dass sich derselbe Output mit weniger ihrer Arbeitszeit produzieren lässt, haben aber kaum Einfluss darauf, was passiert, sobald dieser Beweis überzeugend genug ist. Das heißt nicht, dass Beschäftigte KI verweigern sollten. Individuelle Verweigerung löst kein strukturelles Problem, zumal diese Werkzeuge Arbeit tatsächlich erleichtern können. Aber wir sollten zumindest erkennen, wie asymmetrisch die Situation ist. Wenn Produktivitätsgewinne kollektiv erzeugt werden, aber privat kontrolliert bleiben, macht höhere Effizienz Beschäftigte nicht automatisch mächtiger. Manchmal macht sie einfach weniger Beschäftigte notwendig. Wir automatisieren gerade beide Seiten des Verhandlungstisches. Aber nur einer Seite gehört der Tisch.

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