Wenn Vermögen und Macht sich stark genug konzentrieren, entsteht fast automatisch die Vorstellung, irgendwo müsse es einen Raum geben, in dem sich alle treffen und den großen Plan besprechen. Milliardäre kennen einander, Unternehmen investieren ineinander, Führungskräfte wechseln zwischen Konzernen und Politik, Interessen überschneiden sich, und irgendwann sieht das Ergebnis so koordiniert aus, dass es einen zentralen Autor zu brauchen scheint.

Die unangenehmere Erklärung ist, dass es diesen Autor häufig gar nicht braucht. Menschen und Institutionen mit ähnlichen materiellen Interessen können erstaunlich ähnliche Ergebnisse produzieren, ohne sich in allem einig zu sein oder gemeinsam einen geheimen Plan auszuarbeiten. Investor*innen wollen Rendite. Unternehmen wollen Wachstum und Marktmacht. Arbeitgeber wollen Kosten senken und mehr Kontrolle über Arbeit. Plattformen wollen Abhängigkeit. Staaten wollen geopolitische Vorteile und neue administrative Fähigkeiten. Niemand muss morgens eine Anweisung vom Oberbösewicht erhalten, wenn die Anreize ohnehin zuverlässig in dieselbe Richtung zeigen.

Man braucht keine Verschwörung, wenn die Interessen bereits ausgerichtet sind. Und genau das macht das Problem politisch schwieriger. Es gibt kein geheimes Papier, das man nur veröffentlichen muss, und keinen einzelnen Strippenzieher, dessen Entfernung die Maschine anhält. Man muss an die Bedingungen heran, die immer wieder ähnliche Ergebnisse produzieren: Eigentum, Anreize, Institutionen, Regulierung und die Verteilung von Macht selbst. Dass es keine Verschwörung braucht, bedeutet nicht, dass die Machtkonzentration eingebildet ist. Es bedeutet nur, dass das Problem sehr viel banaler, stabiler und schwerer zu beseitigen ist.

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