Eine der banalsten Anwendungen generativer KI ist gleichzeitig eine der interessantesten: „Mach das professioneller." „Weniger emotional." „Sachlicher." „Freundlicher." „Lass mich vernünftig klingen." Das ist oft tatsächlich hilfreich, weil Institutionen bestimmte Arten zu sprechen belohnen. Es reicht eben nicht, etwas Wichtiges zu sagen. Man muss dabei auch ruhig, kompetent, höflich und möglichst frei von sichtbarer Irritation wirken.

Mit KI lässt sich diese Selbstkorrektur automatisieren. Ärger wird geglättet, Unsicherheit entfernt, Widerspruch höflicher verpackt, Verletzlichkeit in souveräne Formulierungen übersetzt. Manchmal schützt uns das. Manchmal automatisieren wir damit aber auch die permanente Disziplinierung unserer eigenen Sprache. Alles, was zu direkt, zu emotional, zu eigenwillig oder schlicht zu sehr nach uns klingt, kann vor dem Versenden noch schnell an das angepasst werden, was als „vernünftig" gilt. Und dieses vernünftig klingt auffällig oft genauso wie die Sprache der Institutionen, in denen wir ohnehin funktionieren sollen.

Vielleicht bekommen wir dadurch tatsächlich höflichere Kommunikation. Nur ist Höflichkeit nicht dasselbe wie Ehrlichkeit und Professionalität nicht dasselbe wie Persönlichkeit. KI kann uns dabei helfen, uns auszudrücken. Sie kann aber auch zu einer Maschine werden, mit der wir uns vorsorglich selbst glätten, bevor andere uns überhaupt begegnen dürfen.

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