Vielleicht ist „Assistent" irgendwann gar nicht mehr die interessanteste Metapher für unser Verhältnis zu KI. Vielleicht sollten wir eher über Vermieter nachdenken. Nicht weil irgendein Unternehmen unsere Gedanken besitzt, sondern weil immer größere Teile der Infrastruktur, über die wir Informationen finden, Wissen speichern, kommunizieren, uns orientieren und Entscheidungen vorbereiten, anderen gehören. Wir bewegen uns darin wie Mieter*innen in einem Gebäude, dessen Regeln wir nicht gemacht haben.

Ein kognitiver Vermieter muss uns überhaupt nicht vorschreiben, was wir denken sollen. Das wäre viel zu aufwendig. Es reicht, über genügend Teile der Umgebung zu verfügen, in der Denken stattfindet. Der Eigentümer entscheidet, welche Funktionen verfügbar sind, was sie kosten, welche Nutzung erlaubt ist, was morgen verändert oder abgeschaltet wird und wie viel von dem, was im Gebäude passiert, beobachtet werden kann. Innerhalb der Wohnung können wir uns dabei ausgesprochen frei fühlen. Das Machtverhältnis zeigt sich erst, wenn wir etwas brauchen, das nur der Eigentümer kontrolliert.

Deshalb finde ich Abhängigkeit politisch interessanter als die große Fantasie von Gedankenkontrolle. Macht bedeutet nicht unbedingt, jede einzelne Entscheidung eines Menschen zu steuern. Häufig reicht es, etwas zu besitzen, auf das andere nur schwer verzichten können. Wenn immer mehr unserer kognitiven Infrastruktur gemietet wird, sollten wir vielleicht weniger über den freundlichen Assistenten und etwas mehr über den Vermieter sprechen.

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