Stellen wir uns vor, KI wird tatsächlich zu einer Art Versorgungsinfrastruktur. Unterstützung beim Verstehen, Schreiben, Lernen, Recherchieren, Übersetzen und Entscheiden wäre jederzeit verfügbar, ähnlich selbstverständlich wie Strom oder Internet. Das klingt zunächst ziemlich großartig. Wissen und Fähigkeiten, die bisher schwer zugänglich waren, könnten plötzlich für sehr viel mehr Menschen verfügbar werden.

Nur sollten wir, sobald wir von einer Versorgungsleistung sprechen, auch die Fragen stellen, die bei Versorgungsleistungen dazugehören. Wem gehört die Infrastruktur? Wer legt Preise und Zugangsbedingungen fest? Gibt es einen Anspruch auf Grundversorgung? Kann der Anbieter den Zugang beschränken oder abschalten? Kann er sehen, wofür wir die Leistung nutzen? Und was passiert, wenn Schulen, Arbeitgeber, Behörden und andere Institutionen ihre Prozesse irgendwann so umbauen, dass sie selbstverständlich voraussetzen, dass wir diese Systeme benutzen?

Dann sprechen wir nicht mehr über ein nettes Werkzeug, das man eben auch ignorieren kann. Wir sprechen über Infrastruktur. Und Infrastruktur wird genau dann politisch, wenn individuelle Konsumentscheidungen nicht mehr ausreichen. Falls KI tatsächlich zu einer grundlegenden gesellschaftlichen Versorgungsleistung wird, sollten wir deshalb nicht nur darüber diskutieren, wie leistungsfähig sie ist. Wir sollten darüber reden, ob etwas, von dem gesellschaftliche Teilhabe zunehmend abhängt, hauptsächlich das Produkt einiger weniger privater Unternehmen sein sollte.

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