Bit 043 Titelkarte, Mach, was sich nicht optimieren lässt: Über das Herstellen auf die umständliche Art, und warum die Praxis des Machens den Menschen prägt, der sie ausübt.

Vielleicht besteht eine Antwort auf generative KI nicht darin, die nächste Verbotsliste zu schreiben, sondern einige Dinge geradezu trotzig weiter selbst zu machen, obwohl das ökonomisch längst irrational erscheint. Den Absatz selbst schreiben, obwohl das Modell in zwölf Sekunden einen saubereren produziert. Schlecht zeichnen. Drei Akkorde lernen und damit die Nachbarschaft belästigen. Das komplizierte Buch tatsächlich lesen, statt sich seine Argumentation extrahieren zu lassen. Etwas Überflüssiges, Unprofessionelles, Unverwertbares herstellen, nach dem niemand gefragt hat.

Nicht weil alles Menschengemachte irgendeine mystische Reinheit besäße. Menschen produzieren genug Scheiße ganz ohne Maschinen. Es geht darum, dass Herstellen nicht nur ein umständlicher Weg zum fertigen Produkt ist. Schreiben ist nicht einfach eine ineffiziente Methode, Text zu beschaffen. Zeichnen ist nicht der langsame Vorgänger des Bilderzeugens. Lesen ist kein veraltetes Verfahren zur Informationsgewinnung. In all diesen Tätigkeiten üben wir Aufmerksamkeit, Urteil, Geschmack, Geduld, Vorstellungskraft und die Fähigkeit, eine Weile bei etwas zu bleiben, dessen Ergebnis noch nicht feststeht. Wenn wir nur den Output erhalten und die Praxis abschaffen, die ihn hervorgebracht hat, bewahren wir ausgerechnet den uninteressanteren Teil.

Also mach Dinge gelegentlich auf die umständliche Art. Nicht aus Nostalgie und auch nicht aus irgendeiner Reinheitsfantasie vom authentischen Handwerk, sondern weil Fähigkeiten nur durch Benutzung erhalten bleiben. Kapital interessiert sich traditionell sehr für das Produkt und deutlich weniger dafür, was dessen Herstellung mit dem Menschen macht. Vielleicht sollten wir uns gerade dafür interessieren. Manchmal ist das Wichtigste, das beim Machen entsteht, nicht das Ding vor uns.

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