Eines der beliebtesten Argumente gegen ein langsameres Entwicklungstempo lautet, dass dann eben jemand anderes weitermacht. Ein Unternehmen kann nicht bremsen, weil die Konkurrenz sonst den Markt übernimmt. Ein Staat kann keine strengeren Regeln einführen, weil ein anderer dadurch einen Vorteil bekommen könnte. Ein Labor kann sich nicht zu viel Zeit für Sicherheit nehmen, weil das nächste vielleicht schneller beim leistungsfähigeren Modell ist. Für jeden einzelnen Akteur kann es vollkommen rational sein, weiterzumachen, und gemeinsam entsteht daraus eine Situation, in der angeblich niemand mehr aufhören kann.

Aber „wenn ich es nicht mache, macht es jemand anderes" ist kein besonders gutes Argument gegen gemeinsame Regeln. Es ist einer der Gründe, warum wir überhaupt Regeln haben. Wir regulieren Märkte unter anderem deshalb, weil verantwortliches Verhalten zum Wettbewerbsnachteil werden kann, wenn die Konkurrenz darauf verzichten darf. Die Lösung dafür kann kaum darin bestehen, alle Unternehmen freundlich zu bitten, unabhängig voneinander moralisch standhaft zu bleiben, während gleichzeitig Milliarden und Marktanteile auf dem Spiel stehen.

Auch Wettbewerb ist kein Naturgesetz. Märkte existieren innerhalb politischer Regeln, und diese Regeln bestimmen, welche Art von Wettbewerb wir zulassen. Wenn Sicherheit tatsächlich bedeutet, langsamer zu sein, kann Sicherheit nicht dauerhaft eine freiwillige Unternehmensentscheidung bleiben. „Wir können nicht stoppen, weil die anderen nicht stoppen" ist deshalb kein Beweis dafür, dass Regulierung unmöglich ist. Es ist ziemlich genau die Begründung dafür, warum wir sie brauchen.

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