BIT 006
Auch deine Freizeit ist eine Ressource
23. August 2026

Wenn wir über Automatisierung sprechen, reden wir meistens darüber, wie viel Arbeitszeit sie uns ersparen könnte. Dabei interessiert sich der Kapitalismus längst auch für die Stunden, in denen wir gar nicht arbeiten.
Unsere Freizeit ist bereits eine wirtschaftliche Ressource. Unternehmen konkurrieren darum, wie lange wir auf einen Bildschirm schauen, was wir anklicken, was wir kaufen, worüber wir uns aufregen, was uns unsicher genug macht, um etwas zu konsumieren, und welcher Inhalt uns noch zwanzig Minuten länger auf einer Plattform hält.
Nehmen wir also an, wir gewinnen durch Automatisierung tatsächlich zwanzig Stunden pro Woche zurück. Dann entstehen nicht einfach zwanzig Stunden Freiheit. Es entstehen auch zwanzig Stunden, die jemand sehr gerne monetarisieren würde. Deshalb kann Befreiung von Arbeit nicht bedeuten, vierzig Stunden Erwerbsarbeit durch zwanzig zusätzliche Stunden Konsum zu ersetzen. Freizeit ist nicht automatisch selbstbestimmte Zeit. Es gibt einen Unterschied zwischen Zeit, in der niemand dich dafür bezahlt, etwas zu tun, und Zeit, die tatsächlich dir gehört. Der politische Kampf um Automatisierung dreht sich deshalb nicht nur darum, wem die Maschinen gehören. Es geht auch darum, wem die Aufmerksamkeit gehört, die diese Maschinen angeblich für uns freisetzen.