BIT 025
Bürokratie liebt KI
24. September 2026

Bürokratien haben seit jeher ein Problem: Menschen sind für Verwaltung erstaunlich schlecht formatiert. Ihre Lebenssituationen passen nicht sauber in Felder, sie erzählen Dinge in der falschen Reihenfolge, vergessen wichtige Details, widersprechen sich und brauchen ständig irgendwelche Ausnahmen. Institutionen brauchen dagegen Vergleichbarkeit. Fälle müssen kategorisiert, weitergeleitet, geprüft, gemessen und möglichst in großer Zahl nach denselben Regeln bearbeitet werden.
KI passt hervorragend zu diesem Bedürfnis. Aus langen Schreiben werden strukturierte Informationen, aus komplexen Lebensgeschichten Zusammenfassungen, aus Anträgen Kategorien und aus Einzelfällen Muster. Das kann Verwaltung tatsächlich sehr viel besser machen. Wer schon einmal denselben Sachverhalt fünfmal unterschiedlichen Stellen erklären musste, muss die Vorteile davon wirklich nicht kleinreden.
Aber bessere Lesbarkeit funktioniert in beide Richtungen. Je leichter Institutionen Menschen kategorisieren können, desto größer wird auch ihre Fähigkeit, über sie zu entscheiden. Das Problem ist deshalb nicht die Vorstellung einer finsteren Bürokratie, die absichtlich Bürger*innen verdummen möchte. Das Problem ist viel banaler: Systeme, die auf Skalierung optimiert sind, bevorzugen Fälle, die in ihr Modell passen. Wie demokratisch ein System ist, zeigt sich deshalb nicht daran, wie effizient es den Standardfall verarbeitet, sondern daran, was mit dem Menschen passiert, der keiner ist.