BIT 028
KI muss nicht faschistisch sein, um dem Faschismus zu dienen
29. September 2026

KI als faschistisch zu bezeichnen gibt der Technologie selbst viel zu viel politische Handlungsmacht. Eine Datenbank ist nicht autoritär. Eine Kamera glaubt nicht an Diktatur. Ein Sprachmodell entwickelt morgens keine Sehnsucht nach der Abschaffung demokratischer Institutionen. Technologien brauchen aber auch keine eigene Ideologie, um für politische Projekte ausgesprochen nützlich zu sein.
KI kann Überwachung billiger, Klassifizierung schneller, Propaganda leichter produzierbar und personalisierbar machen. Sie kann riesige Datenmengen auswerten, Menschen sortieren, administrative Entscheidungen automatisieren und Formen gesellschaftlicher Kontrolle skalierbar machen, die früher sehr viel Personal, Zeit und Geld gebraucht hätten. Das können demokratische Staaten nutzen, Unternehmen ebenfalls. Autoritäre Regime können dieselben Fähigkeiten mit deutlich weniger Hemmungen einsetzen. Dafür braucht es keine Maschine, die Faschismus „will". Es reicht, wenn autoritäre Akteure Infrastruktur bekommen, mit der Kontrolle plötzlich erheblich billiger und umfassender wird.
Die interessante Frage ist deshalb nicht, ob KI faschistisch ist. Interessanter ist, welche Formen von Macht sie billiger, schneller und skalierbarer macht. Wer bekommt diese Fähigkeiten? Wer kann ihrer Anwendung widersprechen? Welche Institutionen begrenzen sie? Und was passiert, wenn genau diese Institutionen selbst geschwächt werden? Eine Technologie muss die Ideologie ihrer Nutzer nicht teilen, um ihnen ausgesprochen gute Dienste zu leisten.