A(I)MBIVALENCE

Wir sollen KI verantwortungsvoll nutzen, während die Big AI sich Arbeit, Wissen und Ressourcen aneignet, die Gewinne privatisiert und die Folgen bei allen anderen ablädt.

A(I)mbivalence weigert sich, diesen Widerspruch zu persönlichem moralischem Versagen umzudeuten, und fragt, was möglich wird, wenn wir strukturelle Probleme nicht länger zu individuellen machen.

Luise Freese spricht darüber, unter welchen Macht- und Eigentumsverhältnissen KI entwickelt und eingeführt wird, wer an ihr verdient und wer ihre sozialen und ökologischen Kosten trägt. Sie fragt, warum strukturelle Probleme so häufig als Aufgabe des einzelnen Menschen behandelt werden, der sich nur verantwortungsvoller verhalten, besser informieren und schneller anpassen soll. Und sie beschäftigt sich damit, was aus Kritik werden muss, wenn sie mehr erreichen soll als persönliches Unbehagen. Denn strukturelle Macht lässt sich nicht durch immer bessere individuelle Entscheidungen ausgleichen. Sie lässt sich nur dort herausfordern, wo Menschen sich organisieren, gemeinsame Interessen formulieren, Grenzen setzen, verweigern, mitbestimmen und darum kämpfen, wem Technologie dient, wie Arbeit organisiert wird und wer von den Gewinnen profitiert.

Keynotes, Panels, Podcasts, Gespräche und Workshops auf Deutsch und Englisch.

Was ist A(I)mbivalence?

Aimbivalence Wörterbuch-Illustration

Themen

5 Ideen, die dein Publikum dazu einladen, anders über KI nachzudenken

AI Literacy reicht leider nicht aus

AI Literacy ist zu einer der beliebtesten Antworten auf die Probleme rund um KI geworden. Menschen sollen verstehen, wie generative Modelle funktionieren, was Halluzinationen sind, welche Daten sie besser nicht eingeben, wie sie Ergebnisse überprüfen und natürlich, wie sie bessere Prompts schreiben. Dagegen ist wenig einzuwenden. Wer mit einer Technologie arbeitet, sollte wissen, was sie kann und was nicht.

Das Problem beginnt dort, wo technische Kompetenz mit gesellschaftlicher Aufklärung verwechselt wird. Man kann sehr genau verstehen, warum ein Sprachmodell halluziniert, und trotzdem nichts darüber wissen, auf wessen Arbeit es beruht. Man kann hervorragende Prompts schreiben und nie fragen, wem das Modell gehört. Man kann jeden Output gewissenhaft überprüfen und trotzdem keinen Einfluss darauf haben, ob das System am eigenen Arbeitsplatz überhaupt eingeführt wird, welche Tätigkeiten damit automatisiert werden oder wem die daraus entstehenden Produktivitätsgewinne zufallen.

Mehr erfahren

Die Produktivitäts-Falle

Die Versprechen sind vertraut: KI übernimmt Routine, beschleunigt Prozesse, reduziert Aufwand und macht Beschäftigte produktiver. Was dabei erstaunlich selten gefragt wird, ist, was mit der eingesparten Zeit eigentlich passiert.

In den meisten Unternehmen gehört sie nicht den Menschen, die sie eingespart haben. Wenn eine Aufgabe statt zwei Stunden nur noch dreißig Minuten dauert, entsteht daraus normalerweise kein früher Feierabend. Die gewonnene Zeit wird neu verplant, mit weiteren Aufgaben gefüllt oder zur Grundlage neuer Zielvorgaben. Was gestern als Effizienzgewinn gefeiert wurde, ist morgen das neue Normal.

Mehr erfahren

Richtig handeln im falschen System

Adornos Satz „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ trifft einen Widerspruch, der weit über KI hinausgeht. Wir sollen richtige Entscheidungen treffen innerhalb von Verhältnissen, die wir nicht selbst geschaffen haben und denen wir uns kaum vollständig entziehen können.

Bei KI wird dieser Widerspruch besonders sichtbar. Unternehmen entscheiden, welche Systeme sie entwickeln, welche Daten sie verwenden, unter welchen Arbeitsbedingungen sie produzieren und welche sozialen und ökologischen Kosten sie in Kauf nehmen. Danach beginnt die Debatte darüber, wie wir diese Systeme verantwortungsvoll benutzen sollen. Prüfe den Output. Gib keine sensiblen Daten ein. Achte auf Bias. Denke an den Ressourcenverbrauch. Überlege gut, wann der Einsatz noch vertretbar ist.

Mehr erfahren

Von individueller Empörung zu organisiertem Widerstand

Big AI hält unsere Empörung problemlos aus. Viele Menschen wissen längst, dass etwas nicht stimmt. Sie sehen die Machtkonzentration, die Ausbeutung, den Ressourcenverbrauch und den Druck, sich an immer neue Technologien anzupassen. Das Problem ist nicht mangelnde Kritik. Das Problem ist das Gefühl, dass aus dieser Kritik ohnehin nichts folgt.

„Was kann ich schon tun?“ ist deshalb weniger eine Bitte um die nächste Liste individueller Handlungstipps als eine Beschreibung politischer Ohnmacht. Der einzelne Mensch steht Unternehmen mit Milliardenkapital, staatlichen Entscheidungen und technologischer Infrastruktur gegenüber und soll sich dabei ausgerechnet als souveräner Konsument erleben. Dass viele irgendwann resignieren, ist nicht besonders überraschend.

Mehr erfahren

Widerstand ist zwecklos?!

In Star Trek sagen die Borg „Widerstand ist zwecklos“, kurz bevor sie andere ihrer eigenen Ordnung einverleiben. Das sollte damals in Science-Fiction dystopisch klingen. Heute begegnet uns dieselbe Logik in freundlicherer Sprache in der Realität: Der Wandel sei unvermeidlich. Unternehmen müssten jetzt handeln. Beschäftigte müssten sich anpassen. Wer zögert, verliere den Anschluss.

Der Unterschied ist hauptsächlich das Vokabular. Niemand muss sagen, dass Widerstand zwecklos ist, wenn alle überzeugt sind, dass die Zukunft ohnehin schon feststeht. Dann erscheint die Einführung von KI nicht mehr als wirtschaftliche oder politische Entscheidung, sondern als etwas, das einfach passiert. Anbieter verkaufen. Unternehmen investieren. Führungsetagen entscheiden. Und diejenigen, die mit den Folgen leben und arbeiten müssen, bekommen anschließend erklärt, wie wichtig Offenheit, Weiterbildung und Anpassungsfähigkeit sind.

Mehr erfahren

Dein Thema hier

Dein Thema war nicht dabei? Ich spreche auch gern über verwandte Themen und entwickle gerne neue Vorträge.

Gespräch beginnen

Formate

Lasst uns miteinander ins Gespräch kommen

Nicht jedes Gespräch braucht dieselbe Form. Mal ist eine klare These gefragt, mal Widerspruch, mal ein längeres gemeinsames Denken.

Keynotes und Vorträge

Klare, argumentgetriebene Vorträge mit einem erkennbaren Standpunkt. Keine Trendübersicht, keine Produktpräsentation und kein optimistisches Warm-up für die nächste „Transformation“.

Panels und moderierte Gespräche

Für Diskussionen, in denen Technik nicht von Arbeit, Politik und Macht getrennt wird. Luise Freese verbindet praktische Systemerfahrung mit einer Perspektive auf die Verhältnisse, in denen diese Systeme entstehen und eingesetzt werden.

Podcasts und Interviews

Für längere Gespräche, in denen Widersprüche nicht in zehn Minuten glattgebügelt werden müssen. Über KI, Arbeit, Eigentum, Produktivitätsmythen, individuelle Verantwortung und die Frage, was aus Kritik werden muss, wenn sie mehr sein soll als ein gutes Gefühl.

Workshops und Roundtables

Für Organisationen, Teams, Stiftungen, Gewerkschaften und andere Gruppen, die nicht nur über KI reden, sondern konkrete Fragen bearbeiten wollen. Etwa: Was wird hier eigentlich eingeführt? Wem nützt es? Wer trägt die Kosten? Und worüber sollte gemeinsam entschieden werden, statt es als technische Notwendigkeit hinzunehmen?